Saturday 03.11.2018
Wütender Hund

Wer Angst vor Hunden hat, wird auch eher von ihnen gebissen: So simpel diese etwas klischeehafte Formel auch klingen mag, Forscher von der englischen Universität Liverpool haben dies in einer Studie herausgefunden bzw. bestätigen können.

Hundebisse im Fokus der Forschung

Dabei sollten nicht nur die Ursachen von Hundebissen, sondern auch deren Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und der entstandene wirtschaftliche Schaden für das Gesundheitssystem untersucht werden. Die Forscher fanden bei ihren Befragungen von 1280 Haushalten heraus, dass ca. ein Viertel (24,8%) der Befragten bereits von einem Hund gebissen wurde. Dadurch konnte herausgefunden werden, dass vielmehr Menschen von Hunden attackiert und gebissen werden, als dies zum Beispiel durch Krankenhäuser belegt ist (in englischen Krankenhäusern werden jährlich schätzungsweise 6700 Hundeangriffe registriert), da viele der Attacken auf Menschen eher harmlos sind bzw. einen Gang ins Krankenhaus schlicht nicht erforderlich machen. Von den gebissenen Personen gaben wiederum mehr als die Hälfte (ca. 55%) an, den Hund, der sie attackierte, vorher nicht gekannt zu haben und sich der Vorfall unvorhergesehener Dinge ereignete. Die Forscher fanden in diesem Zusammenhang heraus, dass Personen, die eher als „emotional stabil“ gelten, seltener von Hunden attackiert werden, als Personen, die eher als „emotional labil“ zu beschreiben sind. Besonders dieser sozialpsychologische Aspekt, der direkt auf die Interaktion zwischen Hund und Mensch abzielt, kann Aufschlüsse darüber geben, warum und wieso Hunde Menschen beißen und was das Verhalten von Menschen damit zu tun hat. Der psychische Zustand eines fremden Menschen sollte dadurch allerdings nicht als Ursache für aggressives Verhalten eines Hundes betrachtet werden und dieses gar entschuldigen.

Ursachen für aggressives Verhalten von Hunden

Wie kommt es aber nun zu aggressivem Verhalten bei Hunden? Es kann viele Ursachen für aggressives Verhalten von Hunden geben, welches sich, scheinbar willkürlich, gegen unbekannte und fremde Menschen auf der Straße richten und sich an diesen entladen kann. Aggressives Verhalten muss sich natürlich nicht zwangsläufig gegen andere Menschen richten, sondern kann sich auch gegen andere Hunde oder auch auf Gegenstände aller Art richten. Angst, Stress, Unsicherheit, schlechte oder mangelnde Ernährung, Krankheiten, Wach- oder auch Schutztrieb, schlechte Erfahrungen oder gar Traumatisierungen sind dabei nur einige wenige Gründe, die aggressives Verhalten beim Hund auslösen können. Doch worin auch immer ein solches begründet ist, aggressives Verhalten ist nicht angeboren, sondern oftmals ein Resultat falscher oder schlechter Erziehung und Sozialisierung durch den Menschen. Wenn Hundebesitzer zu nachlässig sind, das Verhalten ihres Hundes über einen längeren Zeitraum ignorieren, zu inkonsequent sind oder aber auch übermäßig hart und streng mit ihrem Hund umgehen, ist es sehr wahrscheinlich, dem Hund aggressives Verhalten regelrecht anzuerziehen, indem man ihm z.B. ein solches durchgehen lässt und ihn auch zu hart bestraft.

Aggressive Hunde

Aggression ohne Angst und Aggression lösen

Wichtig ist, dass du vor deinem Hund keine Angst hast und auch keine Angst zeigst. Keinen Augenblick. Kein einziges Mal. Aggression kann nur ohne Angst und Gegenaggression gelöst werden. Du solltest dich auch nicht in irgendwelche Erklärungen oder Entschuldigungen verstricken, wenn dein Hund einmal aggressiv geworden ist. Auch nicht, wenn tatsächlich nichts passiert ist und eine möglicherweise heikle Situation schnell entschärft wurde. Wenn du deinem Hund auch nur den kleinsten Ansatz von Aggression durchgehen lässt, wird er sich dies merken und bei der nächsten Gelegenheit vielleicht sogar noch aggressiver und auch noch schneller drohen. Und wenn du nicht sofort eingreifst, wird es garantiert ein nächstes Mal geben.

Manche Hunde neigen in der Pubertät zu gesteigerter Aggression und versuchen dann, ihren Rang im Rudel – und somit auch das Verhältnis zu dir – zu verbessern. Vielleicht erkennt dich dein Hund weiterhin als Boss und Anführer an, weil du ihm Gehorsam beigebracht hast. Dennoch kann es aber sein, dass ein(e) neue(r) Partner*in von deinem Hund als Eindringling und neues Mitglied des Rudels angeknurrt wird. Viele Hundehalter reagieren in solchen Situationen überrascht und auch zurückhaltend, wenn sie durch ein solches Verhalten von ihrem Hund herausgefordert werden und behaupten dann gerne: „So etwas hat er bisher eigentlich noch nie gemacht!“ Doch in der Regel hat der Hund seinem zweibeinigen Besitzer schon lange vorher den Kampf um den Rang im Rudel angesagt. Doch die Signale dazu wurden ignoriert oder übersehen. Denn fast immer ist die Missachtung von Befehlen ein klares Anzeichen dafür, dass ein Hund versucht, die Position des Anführers oder zumindest den zweiten Rang im Rudel (daher dann der Konflikt mit einem neuen Partner) einzunehmen.

Du bist der Boss!

Die Kombination aus Vorbeugung, einer klaren Sozialisation und festen Regeln ist die beste Maßnahme, Aggressionen im Zaum zu halten. Denn alle Maßnahmen sagen: Du bist der Boss! Bringe deinem Hund schon im Welpenalter bei, auf alle Befehle und Kommandos zu gehorchen, die du, ein anderes Familienmitglied oder dein Partner geben. Übe mit deinem Hund regelmäßig, Wiederholung ist der beste Lehrmeister. Spreche während des Tages öfter die Befehle „Sitz“ aus, um deinen Hund dann zu streicheln, „Platz“, um ihn ein Leckerbissen zu geben. Gib niemals einen Befehl, wenn du nicht auch bereit bist, Gehorsam zu erzwingen. Nur regelmäßiges Unterordnungstraining beugt Aggressionen vor. Ein Hund muss seinen Platz im Rudel kennen und dieser Platz muss ihm auch wiederholt zugewiesen werden und zwar ruhig und bestimmt und ohne eigene Aggression. Nur so können Situationen verhindert werden, in denen fremde Menschen auf der Straße gebissen werden. Denn viele Menschen, wie die oben genannte Studie zeigt, die von Hunden gebissen werden, haben einfach oftmals keine Erfahrung im Umgang mit Hunden und reagieren dementsprechend ängstlich auf fremde Hunde. Für einen schlecht erzogenen Hund ist ein ängstliches Gegenüber eine gute Gelegenheit, seinen menschlichen Besitzer herauszufordern und den Aufstand zu proben. Lass es also durch gute Erziehung deines Hundes gar nicht erst soweit kommen.

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Spoggy-Grafik - Auslöser für Aggressionen bei Hunden

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