Friday 02.11.2018
Kerberos in der Unterwelt: Dante, Die Göttliche Komödie, Illustration von Gustave Doré (1861)

Kerberos in der Unterwelt: Dante, Die Göttliche Komödie, Illustration von Gustave Doré (1861), Foto: wikimedia.

 

Wer kennt ihn nicht den vielköpfigen Höllenhund der antiken Unterwelt? Kerberos – auch der „Dämon der Grube“ genannt – bewacht den Eingang zum Hades, der Unterwelt, auf dass kein Lebender unerlaubt das Reich der Schatten betritt oder gar ein Toter den Fängen des modrigen Jenseits entwicht. Der griechische Dichter Hesiod berichtet vor fast dreitausend Jahren, dass das Bellen des Kerberos metallisch klingt und sein Atem todbringend ist, um die Welt der Lebenden und der Toten voneinander getrennt zu halten.

Um die Unsterblichkeit zu erlangen und auf den Olymp, den Sitz der Götter, ziehen zu dürfen, musste der Held Herakles (lat. Herkules) antiken Erzählungen nach zwölf übermenschliche Aufgaben erfüllen. Eine dieser Aufgaben sah vor, Kerberos aus der Unterwelt zu rauben. Herakles machte sich also auf den Weg in die Unterwelt, überwältigte den Höllenhund und schleppte ihn in die Oberwelt. Dabei troff dem Ungeheuer Speichel aus dem todbringenden Maul auf den Boden. Aus diesem entstand den Erzählungen nach die nicht minder giftige Blume Akóniton, auch bekannt als „Eisenhut“. Und auch ein anderer Held der Antike, Orpheus, der göttliche Sänger, sollte in die Unterwelt herabsteigen und dort auf Kerberos treffen. Um seine Gemahlin, Eurydike, die durch einen Schlangenbiss getötet wurde, aus der Unterwelt zu befreien, musste Orpheus auch am Kerberos vorbeikommen. Doch anders als Herakles benutzte er keine Gewalt, sondern besänftige den wilden Hund durch sein Spiel auf der Lyra – ein Motiv, dass auch in J.K. Rowlings Harry-Potter-Reihe verwendet wurde. Hier ist es ebenfalls das durch einen Zauber beschworene liebliche Spiel einer Harfe, welches den monströsen Wächter des Steins der Weisen friedlich einschlummern lässt.

Eurystheus (l.) Kerberos und Herakles (r.), schwarzfigurige Hydria (Vase), ca. 525 v. Chr, Louvre (Paris)
Eurystheus (l.) Kerberos und Herakles (r.), schwarzfigurige Hydria (Vase), ca. 525 v. Chr, Louvre/Paris
(Foto: Freie Universität Berlin, easy-db).
 

In einer anderen Erzählung ist es wiederum ein Stück Honigkuchen mit dem sich Kerberos einschläfern lässt: Auf der Suche nach ihrem Geliebten, dem Gott Amor, irrt die Königstochter namens Psyche durch Welt und steigt im Auftrag der Göttin Aphrodite auch in die Unterwelt hinab. Diese kann sie aber nur betreten, in dem sie zur selben List greift, mit der auch Aeneas, Held des gleichnamigen Epos’ sich Zugang zur Unterwelt verschafft: Ein Stück Honigkuchen in das Maul des Kerberos, der, wie der römische Dichter Vergil in seinem Epos Aeneis berichtet, „mit dreifach klaffenden Schlünden“ danach schnappte und sich betäubt hinstreckte.

Auch der italienische Dichter Dante beschreibt in seiner Göttlichen Komödie den Höllenhund. Dort heißt es über Kerberos: „Ein Untier, wild und seltsam, Zerberus, / Bellt, wie ein böser Hund, aus dreien Kehlen / Jedweden an, der dort hinunter muss.“ Kerberos bewacht im dritten Kreis der Hölle die dort büßenden Schlemmer und heult dabei „wie ein Hund“ über menschlichen Büßer, die ebenso „wie Hunde heulen“: „Rot sind die Augen, schmutzigschwarz der Bart, / mächtig sein Wanst und scharf bekrallt die Tatzen / er kratzt, zerfleischt die Geister, vierteilt sie“. Vergil, Dantes Begleiter durch die Hölle, besänftigt den Höllenhund nun nicht mit einem Stück Honigkuchen, sondern mit Dreck, den er aufhebt und dem Untier ins gefräßige Maul wirft, um es so zum Schweigen zu bringen.

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